Bunte Geschenke

Die Geschichte des Farbenschenkens.

Nicht nur die Musikdiebin, oder meine Wolken klauende Kollegin haben ihre kleine Geschichte, die sie mit ihrem Namen verbindet. Nein, jeder hat einige Schritte in seinem Leben getan, die sich zum aufschreiben lohnen. Selbst ich, obwohl ich mir große Mühe gebe, das immer wieder zu bestreiten, denn ich bin recht normal. Der Durchschnitt, der Durchschnittlichkeit und vollkommen normal mit meiner Verrücktheit, die heut zu Tage schwer verbreitet zu sein scheint.
Eigentlich wurde ich dazu genötigt, diese Worte hier nieder zu schreiben. Ich hätte eine Vorstellung auch gerne aus gelassen, beziehungsweise auf später verschoben, wenn wir uns besser kennen. Immerhin möchte ich nicht aufdringlich sein und dich jetzt schon mit meinen langatmigen belanglosen Geschichten quälen. Die Vergangenheit könnte ruhig weiter ruhen, so lange bis dir die Fadheit meiner philosophischen Texte zu den Ohren herauskommt.
Nun denn, wie fing es mit dem Farbenschenken an? Wie kam dieses kleine unschuldige Mädchen dazu, sich als Retter der Armen zu sehen? Ihnen zu geben, was sie zwar haben, aber nicht sehen? Wie hat sie angefangen „Blinden“ ihr Augenlicht zurück zu geben?

Jedenfalls nicht heute, an einem Tag wo kaltes, aber flauschig stilles Grau über mir hängt und sich in wie ein Mantel auf meine Haut legt und der duft von brennenden Holz von den Nachbarn, begleitet von leisen Knacken zu mir herüber weht.
Es fing alles damit an, dass man diesem kleinen verzogenen unruhigen Kind einen Stift in die Hand drückte und ihr erzählte, sie solle malen. Mit Farben, die sich in Holz verkleidet vor ihr auf dem Tisch erstreckten. Ein anderes Kind, zu ihrer rechten, offensichtlich ihr älterer Bruder machte es vor und zauberte ein wundervolles Wirrwarr, bestehend aus bunten dünnen Fäden, die sich ineinander verflochten, auf das bis zu dem Augenblick noch jungfräuliche Weiße Blatt.
Ganz fasziniert davon tat sie es ihm gleich und die laute Stimme, die das Trommelfell der müden Mutter zu zerreißen drohte, verstummte. Die dreckigen Füße, die den gerade geputzten Boden verschmutzt hatten, hielten still, nur die überaus teuren Hände aus denen sich nun unglaubliche Schätze ergossen, waren noch in Bewegung. Das war das erste mal, dass die Farbenschenkerin jemanden Farben schenkte. In diesem Fall waren es ihre liebsten Eltern, denen sie ihr Meisterwerk aufzwang. Bei dieser Gelegenheit möchte ich ein Zitat einfügen, dass ich dreist wie ich bin einfach aus „die neuen Leiden des Jungen W.“ entwende: „Kinder können malen, dass man kaputt geht.“ Er hat recht. So unglaublich recht, denn wenn man davon absieht, dass Kinder anstrengend und widerspenstig sein können, ist ihr Leben noch jung und ihr Kopf voller Ideen. Da ist die unschuldige Kreativität, die aus ihnen heraussprudelt, wie Wasser aus einer frischen Quelle. Diese kleinen Biester. Solange sie noch jung und unverdorben sind, ist das Leben noch schön, die Welt perfekt und die Eltern sind einem das Wichtigste der Welt. Es ist grausam wenn diese kleinen Wesen erwachsen werden müssen. Am besten man tut es nie.
Genau wie die Farbendiebin, die naiv wie sie ist weiter gemalt hat. Im Kindergarten saß sie nun immer öfter an dem Tisch, welcher ihnen tausende von Möglichkeiten gab sich aus zu drücken. Ihre anfänglichen Kritzeleien entwickelten sich schnell weiter, zu von Floristik inspirierten Zeichnungen, bis hin zu waghalsigen Portraits von ihren Freunden.
Sie wurde älter und das Geräusch von Stiften und die Überreste von Wasserfarben an ihren Händen häuften sich. Die Grundschule erweiterte ihren Horizont, denn schockiert musste sie feststellen, dass sie nicht die Einzige war, die versuchte Bilder zu stehlen und sie über ihre Kunst weiter zu reichen. Sie war nicht einmal die Beste in dem was sie tat und der ständige Leistungsdruck folgte ihr auf den Fuß. Sie entwickelte sich schnell weiter, fand vieles über Farben heraus, wie sie sich verhielten, wie sie diese einfangen konnte, wenn auch nur in einem schlechten Abklatsch von dem was wahr war. Auch versuchte sie sich an Worten, als sie lernte zu schreiben. Faszinierend, dass man Farben auch in Worten verstecken kann. Sie werden verankert in tintenblauen Linien, schleichen sich unsichtbar an den Augen vorbei und leuchten erst wieder im Geist des Lesers auf. Die Farbenschenkerin wurde nun auch noch zur Geschichtenerzählerin, die es sich erdreistete von dem zu erzählen, was sie selbst wenn sie es sah nicht ganz fassen konnte.
Sie hört immer noch nicht damit auf. Immer noch suchen ihre Augen die Umgebung ab, während sie überlegt, wie sie das was sie zum Staunen bringt so übermitteln kann, dass auch andere den Atem anhalten.

Eine Antwort zu Bunte Geschenke

  1. Katy schreibt:

    Wundervolle Ina. *.*

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